Warum Pilze Mykotoxine bilden ist schon für sich ein interessantes Thema, aber unabhängig von diesem Aspekt stellt das Vorhandensein von Mykotoxinen ein Sicherheitsrisiko für Lebens- und Futtermittelprodukte dar.
Wachsamkeit ist daher der Begriff, der einem in den Sinn kommt, wenn man das Risiko von Mykotoxinen in der Getreide-Lieferkette betrachtet. Um den bekannten Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Mykotoxinen vorzubeugen, ist die strikte Einhaltung von Testverfahren und der Umgang nach vorgeschriebenen Protokollen erforderlich.
Wenn die Protokolle fehlerhaft sind
Das Problem ist, dass schon eine geringe Abweichung von diesen bewährten Protokollen zu erheblichen Gesundheitsrisiken führt.
In Afrika gelten Aflotoxine, die in Mais und Erdnüssen vorkommen, in bis zu 40 % der Fälle als Hauptursache für Leberkrebs. Eine der wichtigsten Ursachen ist, dass die Nahrungsmittelknappheit Bauern dazu veranlasst, ihren Mais zu früh zu ernten und das noch unreife Korn anfälliger für Pilzbefall ist. Andere Gründe liegen darin, dass der Mais nicht nach Guter Landwirtschaftlicher Praxis (GAP) behandelt und unsachgemäß getrocknet wird.
Ein paar wenige Schwachstellen in der Lieferkette reichen aus, um ein Sicherheitsrisiko für die Lebensmittel entstehen zu lassen.
Sind Mykotoxine ein großes Problem?
Die kurze Antwort lautet: ja. Mykotoxine sind ein permanentes Problem, das sich von Jahr zu Jahr verändert und sehr stark vom Wetter, der landwirtschaftlichen Praxis und der Verarbeitung abhängt. Hinzu kommt, dass Mykotoxine, die einmal in die Lieferkette gelangt sind, nicht wieder entfernt werden können.
Es gibt viele Studien, die versucht haben, das Ausmaß der Mykotoxinbelastung bei der weltweiten Nahrungsmittelversorgung abzuschätzen. Häufig wird ein Bericht der UN Food and Agricultural Organisation (FAO) zitiert, in dem es heißt, dass bis zu 25 % der weltweiten Nahrungsmittel mit Mykotoxinen belastet sind. Allerdings ist der Ursprung der Daten, die für diese Aussage genutzt wurden, weitgehend unbekannt.
In einem kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift Critical Reviews in Food Science and Nutrition veröffentlichten Bericht diskutieren die Autoren diese Aussage. Sie stellten fest, dass die aktuelle Mykotoxinbelastung in Proben über den EU Grenzwerten lagen und die ursprüngliche Annahme der FAO von 25 % Kontamination bestätigen. Mit Blick auf die Daten von BIOMIN(R) kommen die Autoren zu dem Schluss, dass in 60 – 80 % der Proben nachweisbare Mengen von Mykotoxin zu finden sind (Eskola, M., Kos, G., Elliott, C.T., Hajslova, J., Mayar, S. and Krska, R. 2020 Worldwide contamination of food-crops with mycotoxins: Validity of the widely cited FAO estimate of 25%. Critical Reviews in Food and Science and Nutrition 60:2773-2789).
Kurz gesagt, müssen Mykotoxine als Risiko bei jeder Ernte betrachtet und entsprechende Kontrollstellen eingerichtet werden, um die Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln zu gewährleisten.
Strategien zum Risikomanagement
In Bezug auf das Risikomanagement gibt es eine Reihe von Bereichen in der Lieferkette, in denen Mykotoxine kontrolliert werden können.
Schließlich ist die Verhinderung von Pilzwachstum die beste Strategie, und Studien haben gezeigt, das Gute Landwirtschaftliche Praxis (GAT) sowie biologischer Pflanzenschutz eingesetzt werden können, um das Wachstum der für Mykotoxine verntwortlichen Pilze zu beschränken. Eine langfristige Alternative ist die Zucht von Getreidesorten, die widerstandsfähiger gegenüber Pilzbefall sind. Zusätzlich hilft ein rotierendes Fruchtfolgesystem gemäß Codex Alimentarius: Der ‘Code of Practice for the Prevention and Reduction of Mycotoxin Contamination in Cereals' (Verhaltenscodex zur Vorbeugung und Reduzierung von Mykotoxinbelastung in Cerealien) kann das Kontaminationsrisiko verringern, indem der Anbau derselben Kultur auf demselben Feld in zwei aufeinanderfolgenden Jahren vermieden wird. Das kann dazu beitragen, das Inokulum auf dem Feld zu reduzieren, welches sich bei Ernterückständen mit Pilzsporen bilden kann.
Der Einsatz gezielter Fungizide ist eine offensichtliche Maßnahme, das Risiko von Mykotoxinen zu verringern. Allerdings könnte das wachsende Bewusstsein der Verbraucher und die Ablehnung chemischer Mittel bei der Erzeugung von Getreide kontraproduktiv sein, wenn dies zu unerwünschten Reaktionen bei Verbrauchern und in den Medien führt.
Bei Futtermittelpflanzen lassen sich in der Erzeugerkette Absorbtionsmittel einsetzen, die das Mykotoxin entfernen sowie Entgiftungsverfahren, beispielsweise mit Enzymen, die das Mykotoxin in harmlose Nebenprodukte aufspalten.
Proaktiver Umgang mit dem Mykotoxinproblem
Zweifellos spielt ein größeres Engagement durch diese proaktiven Schritte (GAP) zur Vorbeugung oder Beseitigung des Sicherheitsrisikos für Lebensmittel aus Getreide eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Gefahr. Das stärkste Mittel, das wir derzeit zur Verfügung haben, um das Mykotoxinrisiko zu beherrschen, ist das systematische Testen und die Zurückweisung von kontaminiertem Getreide.
Die Testverfahren haben sich im Laufe der Jahre stark verbessert. Die Geschwindigkeit, mit der Mykotoxinanalysen durchgeführt werden können und die Empfindlichkeit der Tests hat unsere Möglichkeiten, Probleme in der Versorgungskette zu identifizieren und zu beseitigen, erheblich vergrößert.
Angesichts des Klimawandels wird das Problem mit Mykotoxinen noch steigen und sich verändern; alle Verantwortlichen in der Lieferkette müssen daher wachsamer sein als je zuvor.
Daraus folgt, dass wir alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen müssen, um die Lebensmittelsicherheit in der gesamten Getreide-Lieferkette zu gewährleisten.