Wie läuft es bei Yalumba – was gibt es Neues in 2022?
Alles ist gut – generell hat der australische Wein aufgrund der chinesischen Zölle etwas Gegenwind im Rotweinsegment bekommen, und wir arbeiten daran, Angebot und Nachfrage auszugleichen. Im Allgemeinen sieht es gut aus, weil wir ein ausgewogenes Portfolio haben.
Worauf haben Sie sich in letzter Zeit konzentriert?
Nachhaltigkeit ist im Moment ein großes Thema. Wir haben unseren CO2-Fußabdruck seit Jahrzehnten gemessen, aber plötzlich wollen die Leute darüber mehr wissen. Wir wären nicht mehr hier, wenn wir das nicht zur Priorität erklärt hätten. Die vorherige australische Regierung war nicht sehr auf Nachhaltigkeit bedacht, aber die neue Regierung engagiert sich sehr dafür.
Wir haben unsere Ziele für 2030 und es ist gut, zu sehen, dass weltweit von unseren Kunden und auf den Märkten mehr nach ESG-Kriterien gefragt wird. Immer mehr Weingüter melden sich bei der unabhängigen Vereinigung für nachhaltigen Weinbau in Australien an. Wir sind seit 2020 Mitglied, und alle unsere Weine werden ab 2023 dieses Siegel tragen, das ist wirklich spannend. Das zu erreichen, war viel Arbeit, weil es sich um ein Programm zur kontinuierlichen Verbesserung gemäß den Nachhaltigkeitsregeln handelt. Aber es lohnt sich wirklich.
Was machen Sie sonst noch für die Umwelt?
Wir sind gerade Mitglied des Bündnisses Internationaler Weingüter für den Klimaschutz geworden, das von der amerikanischen Familie Jackson und der spanischen Familie Torres gegründet wurde. Es gibt dort derzeit rund 35 Mitglieder weltweit, die ihr Wissen und ihre Ideen auf dem Weg zur Emissionsfreiheit in 2050 teilen. Wir setzen uns jedes Jahr Ziele für die Senkung unserer Emissionen aus Treibhausgasen – bei uns gibt es weder Greenwashing noch Emissionshandel, man muss dafür schon arbeiten. Aktuell arbeiten wir daran, die Artenvielfalt auf unseren Gütern zu verbessern und für jeden Hektar Weinberg erstellen wir die gleiche Fläche mit ursprünglicher Vegetation.
Wie entwickelt sich der Jahrgang 2022 bisher?
Er ist nicht besonders ertragreich, aber wir haben eine ordentliche Menge und die Qualität ist wunderbar. Für uns im Barossa Valley war es relativ milde, ohne Hitzewellen, Hitzerekorde oder Buschbrände. Wir hatten auch nicht die schrecklichen Überschwemmungen wie in Victoria. Wir sitzen in der Mitte von Australien, wo gigantische Regenfälle nicht üblich sind, das ist unser Glück. Ich könnte wahrscheinlich keinen besseren Jahrgang beschreiben, abgesehen von ein paar Hagelstürmen vor Weihnachten, die einige unserer Weinberge ziemlich getroffen haben.
Sind einige Rebsorten in diesem Jahr außergewöhnlich gut?
Sie sind durchweg alle gut. Die Weißen aus dem Eden Valley sind sehr köstlich und unsere 2022 Viogniers sehen fantastisch aus. Unser Pewsey Vale Riesling ist einer der besten, die wir je gemacht haben, und das will was heißen. Er hat einen wunderbaren Duft und Eleganz in der Art eines Barossa. Unser diesjähriger Shiraz hat seinen typischen Duft nach Blaubeeren und Rosenblüten. Am Gaumen ist er elegant und samtig, da es in diesem Jahr nicht zu heiß war.
Gab es irgendwelche Herausforderungen in der Anbausaison 2022?
Die größte Herausforderung war der Hagel, aber dagegen kann man nichts machen. Vergangenes Jahr hatten wir eine größere Ernte, bei sehr guter Qualität, mit durchschnittlichen Temperaturen und ohne Buschfeuer in einem der großen Gebiete.
Die globale Erwärmung stellt zunehmend eine Herausforderung für Weinbauern dar, und Australien ist ein heißer Fleck – was tun Sie, um diese Auswirkungen gering zu halten?
Wir können im Weinberg eine Menge tun, um diese Effekte zu bekämpfen und wir haben eine Reihe von Änderungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass sich unsere Lesezeiten nicht so dramatisch verändern und so viel früher liegen. Wir haben im Barossa keine offensichtliche Verschiebung zu einer früheren Ernte festgestellt, aber unsere Lesetermine variieren von Jahr zu Jahr.
Um unseren Weinbergen zu helfen, mit der Hitze umzugehen, lassen wir Gräser zwischen den Reben wachsen und mulchen, damit der Boden abgekühlt und die Feuchtigkeit gehalten wird. Mit Überdachungen schützen wir die Trauben vor direkter Sonne, Spaliere bieten Schatten und halten die Trauben kühler, so dass sie langsamer reifen können.
Wie schützen Sie sonst noch Ihre Trauben?
Wir geben ihnen ein Sonnenschutzmittel – das ist tatsächlich eine feine Schicht aus weißem Ton, Kaolin genannt, die wie ein Sonnenschutzmittel wirkt. Es ist vollkommen natürlich und neutral und lässt sich abwaschen oder auch abbürsten. Das ist ziemlich revolutionär, ohne technisch zu sein. Es ist der gleiche Ton, aus dem man Porzellan macht, den mischen wir mit Wasser und sprühen ihn auf die Reben, um Schäden durch die übermäßige Hitze zu vermeiden. Das ist eine unglaublich gute Art, die Säure der Trauben zu erhalten und den Reifeprozess zu verlangsamen.
Wir machen das seit über einem Jahrzehnt und es beeinflusst den Geschmack der Weine nicht. Wir haben eine Menge Versuche gemacht, um sicherzugehen. Wir machen das nur bei besonders hitzeempfindlichen Rebsorten wie Riesling, Chardonnay und Viognier und es führt zu wesentlich ausgewogeneren Weinen bei Hitzespitzen, wenn die Trauben kurz vor der Reifung stehen. Das macht einen Riesenunterschied. Bevor eine Hitzewelle kommt, sorgen wir dafür, dass die Trauben, die es benötigen, einen Sonnenschutz haben. Glücklicherweise mussten wir das in diesem Jahr nicht anwenden.
Überdenken Sie Ihren Anbau angesichts des Klimawandels?
Wir haben Versuche mit verschiedenen Rebstöcken gemacht, mit besonderem Fokus auf trockenheitsunempfindliche Rebstöcke. In Südaustralien wurde jede Rebe, die in den vergangenen 30 Jahren in die Erde kam, auf trockenheitsunempfindliche Wurzelstöcke gesetzt, die während der Wachstumsphase wesentlich weniger Wasser benötigen, weil die Reben viel besser an Hitze und Trockenheit angepasst sind. Das war wirklich wichtig, damit wir ausgewogenere Weine entwickeln konnten, die nicht viel Wasser benötigen.
Inwieweit haben sich Ihre Lesetermine seit der Gründung 1849 verändert und was bedeutet das für Ihre Weine?
Es gibt natürliche Schwankungen zwischen den Jahren, aber wir haben nicht das Gefühl, früher zu ernten, weil wir in unseren Weinbergen so viel tun, um gegen die steigenden Temperaturen anzugehen, es gibt da kein festes Muster. In einem ertragsarmen Jahr reifen die Trauben schneller, aber das liegt eher am geringen Ertrag, als an den Klimaveränderungen. Wir haben erwartet, dass unsere Erntetermine früher liegen, aber dieses Muster zeichnet sich noch nicht ab.
Um ein Beispiel zu geben, wie sich die Dinge entwickeln: 2019 war ein sehr heißer, trockener Sommer im Barossa und die durchschnittliche Temperatur war zwei Grad höher als normal. Die Leute sagen, dass der Klimawandel die Weine aus dem Barossa Valley zu Riverland-Weinen machen wird, aber die Roten, die wir 2019 als Barossa gemacht haben, waren in Textur, Charakter und Farbe wie immer. Die Temperatur ist nur ein Teil der Gleichung – ein wichtiger Teil, aber das Terroir ist ebenso wichtig, und wie die Böden gepflegt werden. Es geht nicht nur um steigende Temperaturen; da spielen viele Variablen ein Rolle.
Welche Aspekte des Klimawandels machen Ihnen Sorgen?
Wir müssen uns über einige Dinge in Australien Sorgen machen, insbesondere um extreme Wetterereignisse wie die furchtbaren Regenfälle und Überschwemmungen, die wir in diesem Jahr an der Ostküste hatten. Außerdem steigt das Risiko für Frost im Frühjahr, das Risiko für Hagel steigt, und wenn die Sommer wärmer und trockener werden, steigt das Risiko für Buschfeuer, die zu Beeinträchtigungen durch Rauch führen. Klimawandel heißt auch, dass weniger Wasser zur Verfügung steht. Leider kann man sich gegen einige dieser Dinge nur sehr schwer schützen. Wenn es nebenan ein Buschfeuer gibt, kann man nicht viel dagegen tun, aber man hat in Australien viel darüber geforscht, wie man Beeinträchtigungen durch Rauch frühzeitig erkennen kann, das hat Auswirkungen auf Entscheidungen zu Lese und Abfüllung. Man kann zum Beispiel Pinot zu Schaumwein machen, weil es dabei keinen Kontakt mit der Beerenschale geben muss.
Wird es immer schwieriger, die phenologische und physiologische Reife mit dem richtigen Alkohol- und Säuregehalt zu erreichen?
Wenn man mit dem Weinberg und einer Überdachung arbeiten kann, einen Sonnenschutz nutzt und das Gras kühl hält, verändert man die Umgebungsbedingungen innerhalb der Überdachung und damit die Trauben und hilft ihnen, langsamer zu reifen. Winzer überprüfen ständig ihre Trauben, um den besten Zeitpunkt für die Lese zu ermitteln. Diese Methode funktioniert die meiste Zeit.
Inwiefern hilft Ihnen Ihr FOSS Analysator bei der Suche nach Ausgewogenheit?
Dadurch, dass wir ein FOSS System nutzen, steht uns als Team die Weinanalyse viel schneller zur Verfügung. Es ist großartig, diese einfache und umfassende Analyse innerhalb von Minuten zu bekommen, das hilft uns wirklich bei den Entscheidungen rund um die Analyse. Winzer treffen Entscheidungen darüber, wie eine Traube schmeckt, aber es geht immer um Ausgewogenheit, und die Zahlen sind wirklich wichtig zur Sicherung der Qualität und um die Entscheidungen, die wir mit dem Gaumen getroffen haben, zu bestätigen. Unser FOSS Gerät ist zuverlässig, es gibt uns die richtigen Informationen darüber, wie wir die Weine zusammenstellen, wir können darauf vertrauen und es macht es uns leichter.
Geschultes Laborpersonal macht diese Arbeit für uns und gibt uns die Antworten, das ist fantastisch. Bei der Analyse ist es wichtig, dass sie zuverlässig, wiederholbar und schnell ist. Wir haben bei Yalumba ein NATA-zertifiziertes Labor, wir müssen uns auf die Wiederholbarkeit unserer Analysen verlassen können und wir müssen wirklich sicher sein, bevor wir ein neues System aufnehmen.