Früher haben die Frauen die Braubranche dominiert. Von den Wikingern bis zu den Ägyptern haben Frauen immer gebraut, sowohl für religiöse Feiern als auch, um kalorienreiche Getränke für den eigenen Haushalt herzustellen. Die deutsche Nonne Hildegard von Bingen erstellte im 12. Jahrhundert die ersten noch erhaltenen Aufzeichnungen über die Verwendung von Hopfen im Bier, und in den nordamerikanischen Kolonien waren erstmals über einen längeren Zeitraum Frauen für das Brauen verantwortlich – man denke nur an Susannah Ohland, deren Bierrezept die Basis für die Gründung der ältesten unabhängigen Brauerei Kanadas wurde, der Moosehead Brewery.
Mit Beginn der Industrialisierung wurden die Frauen aus dem Braugewerbe verdrängt, aber jetzt sind sie wieder da. Wir haben uns mit Mariana Schneider, Production Manager bei Empirical in Kopenhagen getroffen, um über das Brauen zu sprechen. Und darüber, dass es in der Branche nur sehr wenige weibliche Brauer gibt, so dass unser Gespräch darauf kam, was es bedeutet, in der Minderheit zu sein.
Die ursprünglich aus Brasilien stammende Mariana hat als Brauerin bei Brewski in Schweden und beim Amager Bryghus in Kopenhagen gearbeitet, bevor sie ihre jetzige Stellung als Production Manager bei der Empirical Distillery annahm. Sie spielte auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des BeerFoss™ FT Go, testete die neuen Kalibrationen und gab Anregungen zu neuen Funktionen für die Verbesserung des Brauprozesses.
Wie sind Sie Brauerin geworden?
Ich habe damit als Hobby angefangen. Als ich in Brasilien gelebt habe, war die Auswahl an Bieren begrenzt und ich war es leid, das übliche Bier zu trinken. Das einzige andere Bier, das es gab, war selbst gebraut. So habe ich auch angefangen, selbst zu brauen. Ich dachte immer: "Wenn die Jungs das können, kann ich das auch", und so begann ich, es zu lernen und meine Brautechniken zu verbessern.
Als ich nach Skandinavien gezogen bin, habe ich erstmal als Kommunikationsmanagerin bei Brewski in Schweden angefangen, aber ich nahm die Stelle nur unter der Bedingung an, dass sie mich gleichzeitig als Brauerin ausbilden. Eins führte zum anderen und jetzt nehme ich am Master Brewers Certificate Program an der UC Davis teil.
Sie haben uns sehr bei der Entwicklung des BeerFoss™ FT Go geholfen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
An dem BeerFoss™-Projekt teilzunehmen, war definitiv das Coolste, das ich jemals in meiner Karriere als Brauerin gemacht habe. Ich habe soviel über den Brauprozess gelernt und mit dem Team von FOSS zusammengearbeitet, die Bierproben getestet und gesehen, was tatsächlich mit dem Bier während des Brauprozesses passiert.
Und wenn wir über Gleichberechtigung sprechen: Ich habe mich in der Zeit wirklich als gleichberechtigt gefühlt. Bei der Einsendung von Proben wurde ich immer wieder benachrichtigt und war dadurch super eingebunden. Im BeerFoss™ liegt ein so großes Potential. Es spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben als Brauerin und hat mir so viel Neues ermöglicht. Von der Gärung bis zur Messung des fertigen Biers oder sogar zu Beginn des Prozesses, wo der BeerFoss™ uns geholfen hat, die Menge des im Brauprozess eingesetzten Malzes zu reduzieren. Ich erzähle jedem immer wieder von den Vorteilen des BeerFoss™ 😊.
Was treibt Sie an?
Ich sage ehrlich, dass der Wunsch nach Gleichberechtigung mich am meisten antreibt. Als Frau mit lateinamerikanischer Herkunft möchte ich dazu beitragen, ein Bewusstsein für die Vorteile von Diversität in der Braubranche zu schaffen. Wenn alle gleich denken und niemand aufsteht, wird es immer nur eine kleine Gruppe gleichgesinnter Menschen sein, die Entscheidungen trifft, ohne dabei das große Ganze zu sehen, und so wird jede Form von Entwicklung gebremst – sei es in der Braubranche oder überall sonst in der Gesellschaft. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Führungsebene diversifizierter wird, nicht nur in der Braubranche, sondern überall in der Gesellschaft.
Außerdem ist mir wichtig, für andere Frauen in der Branche ein Vorbild zu sein, damit wir uns gegenseitig erinnern können, dass wir nicht allein sind. In der jetzigen Situation müssen Frauen 100 mal so hart kämpfen wie Männer, um in die gleichen Positionen zu gelangen, und wenn wir den Dialog in der Branche nicht verstärken, wird es niemals besser werden. Ich hoffe, eines Tages genausoviele Frauen wie Männer in der Braubranche zu sehen.
Was sind die Vorteile, die Sie als Frau in der Braubranche haben?
Ich glaube, der größte Vorteil ist der Zusammenhalt mit anderen Frauen. Man findet sich und es entstehen hervorragende Kontakte. Frauen sind gut darin, Informationen untereinander auszutauschen. Wir achten aufeinander und haben keine Angst, uns bei der Suche nach neuen Braurezepten oder sogar Jobmöglichkeiten zu unterstützen. Mein Gefühl ist, dass Männer ihre Karten nicht so offen auf den Tisch legen, aber der Austausch von Informationen hilft uns allen, bessere Brauer/innen zu werden.
Irgendeinen Rat für andere Brauerinnen?😊.
Habt niemals Angst, um Hilfe zu bitten. Selbst mit einem ausgelasteten Arbeits- und Familienleben finden Frauen immer Zeit, sich untereinander zu helfen, wenn es notwendig ist.
Und niemals sollte man Zeichen für Überforderung ignorieren. Burn-outs sind so häufig, speziell unter weiblichen Brauern. Wir haben die Neigung, mehr zu tun, als wir eigentlich können – vielleicht kommt das vom Druck durch die Gesellschaft, in der wir doppelt so hart arbeiten müssen, um zu beweisen, dass wir so gut sind, wie die Männer. Aber wir müssen ab und zu einen Gang zurückschalten und uns besser um uns selbst kümmern.